Der Mythos «PdG» ist um ein Kapitel reicher

Die Patrouille des Glaciers 2018 ist vorbei. Rund 4800 Läuferinnen und Läufer haben am härtesten Skitouren-Wettkampf der Welt teilgenommen. Der Anlass wäre ohne tatkräftige Unterstützung der Schweizer Armee nicht möglich gewesen – erst recht nicht bei den vorherrschenden Wetterbedingungen. Rund 2000 Armeeangehörige waren für das Gelingen des legendären Skitourenlaufs verantwortlich.

24.04.2018 | Kommunikation Verteidigung

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Die Patrouille des Glaciers belegt die Leistungsfähigkeit der Schweizer Armee. Im Bild: der Verpflegungsposten La Barma auf 2458 Metern über Meer. Bilder: PdG/VBS/DDPS

Sie ist ein Rennen der Superlative: die Patrouille des Glaciers (PdG). Der härteste Wettkampf im Skialpinismus der Welt führt auf der Langstrecke von Zermatt nach Verbier über 110 Leistungskilometer. Auch die Kurzstrecke mit 53 Leistungskilometern ist noch immer nahrhaft für die rund 4800 Teilnehmenden. An der diesjährigen Auflage fielen gleich beide Streckenrekorde, jener der Männer wie auch jener der Frauen. Auch die Wetterbedingungen waren rekordverdächtig: In den höheren Abschnitten der Strecke lag meterweise Schnee, was die Vorbereitungen erschwerte. Dafür massen die Organisatoren an den beiden Renntagen ungewohnt hohe Temperaturen.

Es ist klar: Ohne militärische Unterstützung kann das Rennen nicht durchgeführt werden. Das Kommando PdG unter Oberst Max Contesse koordiniert in der Kaserne Sion die Vorbereitungen und die Durchführung. Er, der dieses Jahr die PdG das letzte Mal verantwortet hat, betonte die Ausbildungsfunktion des Anlasses. Sein Stab erhalte die Möglichkeit, sein Wissen in einem realen Einsatz umzusetzen: «Wir müssen alles sorgfältig planen. Denn alles muss von einem Tag auf den anderen klappen. Wir können nicht wie bei einer Übung einfach nochmal von vorne beginnen, wenn etwas nicht funktioniert.» Ausserdem sei die PdG ein geeignetes Beispiel für den Verbund verschiedener Truppenteile, von der Infanterie über die Gebirgsspezialisten bis zu den Fachleuten eines Richtstrahlbataillons.

Unentbehrliche Telematik-Spezialisten

Die Netze und die Richtstrahlverbindungen für die Übermittlung von Daten und Sprache zu Patrouillen und Helfern bilden das Fundament für die Vorbereitung und die Durchführung der PdG. Dafür standen Angehörige des Richtstrahlbataillons 21 im Einsatz, das mit Spezialisten der Führungsunterstützungsbasis und militarisierten Mitarbeitern der Swisscom für die Signalübertragung zuständig war. Die Telematik-Spezialisten überwachten in Sion die Verbindungen zu den Höhenstandorten. Sie bauten zudem drei Kommunikationsnetze auf. Eines ermöglichte die Schliessung der Lücken des Handynetzes zwischen Zermatt und Verbier. Ein zweites Netz diente der elektronischen Verfolgung der Rennteilnehmer. Es war fähig, im Notfall mittels Kreuzpeilung zielsicher einen Sender anzupeilen. Hinzu kam das Netz für den Betriebsfunk. Für das PdG-Kommando hat die Sicherheit höchste Priorität, betont Major Jan Krähenbühl, Chef Operationen des Ristl Bat 21: «Wenn die Verbindungen zu den Patrouillen unterbrochen sind, kann das Rennen nicht starten oder wird unterbrochen.» Sie seien dafür zuständig, dass alles funktioniere. Das Material an den Höhenstandorten müsse oft repariert ausgetauscht werden, weil es rasch feucht werde oder gefriere.

Der Mann im mobilen Tower

Ebenfalls zentral für das Gelingen des Anlasses ist die Logistik. Weit über 200 Tonnen Material – Stangen zur Markierung der Strecke, Zelte für die Streckenposten, Lebensmittel, Generatoren, Treibstoff, Heizungen, mobile Toiletten – müssen aus dem Tal zu den Posten im Hochgebirge gebracht werden. Bis zu 350 Personen sind an den verschiedenen Höhenstandorten stationiert. Sie müssen mitunter mehrere Tage in provisorischen Unterkünften ausharren, bevor sie abgelöst werden. Lastwagen fahren das Material während mehreren Wochen täglich auf die provisorische Helikopterbasis im Weiler Satarma (1900 M.ü.M.) bei Arolla. Die Helikopter werden nacheinander beladen und fliegen ihre Touren auf die Standorte. Deren höchster, jener auf dem Tête Blanche, auf rund 3650 Metern Höhe. Rund ein Dutzend Piloten und rund 20 Mechaniker werden für den Einsatz nach Satarma eingeflogen. Oberstleutnant im Generalstab Patrick Voutaz leitet seit neun Jahren die Basis. Er koordiniert die Flugbewegungen von einem gelben mobilen Tower aus, einem Spezialfahrzeug mit einer erhöhten Kanzel. «Satarma ist für die Logistik matchentscheidend, das logistische Herz der Patrouille des Glaciers», hält Voutaz fest.

Gesucht: Genug Betten für alle

Die Logistik an den Standorten stellen die Basen in Zermatt, Verbier und Arolla sicher. Im alten Hotel Kurhaus oberhalb des Dorfes ist die Basis Arolla eingerichtet. Dessen neuer Kommandant Cédric Dubuis war darum besorgt, dass die Vorbereitungen auf den Höhenstandorten vorangingen. «Wir müssen die Strecke sichern und den Schnee räumen, um die Aufstellung der Kontrollposten zu ermöglichen», so Dubuis. Auch war sein Team darum bemüht, dass im Tal die Rahmenbedingungen für die Teilnehmer und eingesetzten Militärs stimmten. Dies beinhaltete die Infrastruktur, wie das grosse Verpflegungszelt für das Abendessen und das Frühstück vor dem Rennen, die Einrichtung der Durchgangszone für die Langstrecke und des Startbereichs für das Kurzrennen gleich nebenan, die Transporte der Teilnehmer zum Start sowie die Beschaffung von Unterkünften für alle Beteiligten. «Wir sind hier in einem Seitental. Ich muss Betten für 1200 Teilnehmer und Schlafplätze für unsere Soldaten finden. Das ist nicht an einem einzigen Ort möglich.» Die Armeeangehörigen wurden darum auf die vier Hotels in Arolla sowie auf mehrere Ferienhäuser und Pensionen verteilt.

Die Bilanz des Kommandanten PdG nach dem Rennen war positiv. Oberst Max Contesse  hob insbesondere hervor, dass die Vorbereitungsarbeiten trotz der Herausforderungen durch die schwierigen Wetterverhältnisse planmässig abgeschlossen wurden. Dies führte er vor allem auf das grosse Engagement der Truppen zurück. Mit dem Abschluss der PdG 2018 gibt es auch einen Führungswechsel: Oberst Max Contesse, der den Stab PdG seit 2013 kommandiert hat, geht nun in den Ruhestand. An seiner Stelle übernimmt Oberst im Generalstab Daniel Jolliet, aktuell Chef Einsatz- und Laufbahnsteuerung der Armee, das Kommando.

«PdG»: Ein nationaler Traditionsanlass

Die Patrouille des Glaciers («PdG») ist der bedeutendste Wettkampf im Ski-Bergsteigen der Welt. Sie findet alle zwei Jahre statt und ist der grösste Einsatz für die Helikopter der Luftwaffe. Aus Sicherheitsgründen werden die Starts der insgesamt 1600 Dreier-Seilschaften auf zwei Renntage und zwei Strecken verteilt – ein kürzerer Parcours von Arolla nach Verbier und ein langer von Zermatt nach Verbier. Bei der Ausgabe 2018 waren rund ein Sechstel der Teilnehmenden Frauen. Etwa 500 Seilschaften waren Militärpatrouillen. Diese haben bei der Verteilung der Startplätze traditionell Vorrang. Hinzu kommen gegen 50 Teams ausländischer Streitkräfte. Seit der ersten Durchführung 1943 organisiert die Schweizer Armee den Wettkampf. Er wurde ins Leben gerufen, um die Einsatzfähigkeit, Ausdauer und Widerstandkraft der Schweizer Gebirgstruppen zu demonstrieren. Nach einem Unglück mit Todesopfern 1949 wurde die PdG verboten und erst 1984 wieder aufgenommen. Die «Haute Route» zwischen Zermatt und Verbier war allerdings schon zuvor bekannt. Damals mussten die Reisenden vier Tage für die Strecke veranschlagen. Heute brauchen die schnellsten Teams für die Strecke weniger als sechs Stunden.